05 März 2018

Mieterportrait Sagers Kaffeerösterei

Mieterportrait Sagers Kaffeerösterei

20.02.2018 – Mieterportrait Sagers Kaffeerösterei– Inhaber Alexander Sager

Seit August 2017 kann man Sagers Kaffeerösterei auch im Marienpark Berlin finden. Neben dem Café mit Verkauf am Lotte-Lenya-Bogen, das es seit nahezu 12 Jahren gibt, wird seitdem das kunstvolle Handwerk der Kaffee-Röstung hier am zweiten Standort auf ca. 130 qm betrieben. Wir möchten die Gelegenheit ergreifen, Sagers im Marienpark Berlin nochmals herzlich willkommen zu heißen und als neuen Mieter vorzustellen.

Marienpark Berlin: Herr Sager, was genau reizt Sie am Kaffee?

Alexander Sager: Das geht auf meine Kindheit zurück. Was mich sicherlich geprägt hat, war zu sehen, wie sich meine Großmütter über ein Päckchen West-Kaffee, ich komme aus Thüringen, übermäßig freuten. Mir war schon damals klar, was für einen hohen Wert Kaffee hat. Mit ca. 30 Jahren hatte ich das Bedürfnis, ich arbeitete damals als Grafiker, vorausschauend für das Alter nicht ständig neue Software-Programme erlernen zu müssen. Ich wollte in einem Handwerk eine Qualifikation erreichen, die man zwar reproduzieren muss in Güte und Qualität, aber die beständig ist. Zwar hatten wir jetzt beispielsweise die Umstellung von dem Elektro- auf den Gasröster, dennoch wechseln die technischen Anforderungen hier nicht so schnell.

Marienpark Berlin: Was macht eine optimale Röstung aus?

Alexander Sager: Die Technik zeigt viele Parameter, so ist vor allem die Umstellung der Peripherie (Luftdruck, Außentemp. etc.) entscheidend für kleine, aber feine Unterschiede in der Röstung. Wenn man penibel ist wie ich, kann einen das sehr fordern. Aber letztlich darf nichts anbrennen (lacht).

Marienpark Berlin: Was unterscheidet Sagers Kaffee von anderen?

Alexander Sager: Dem Kunden ist natürlich das Preis-Leistungsverhältnis am wichtigsten. Unsere Qualität ist sehr hoch. Für gute Kaffees braucht es je nach Sorte ca. 3.000 handgepflückte Kaffeekirschen, das sind 6.000 Kaffeebohnen, um rund 1kg Röstkaffee zu erzeugen. Eine Kaffeekirsche braucht ca. 9 Monate bis sie reif ist. Unser Produkt Sumatra Mandheling beispielweise braucht über 15.000km bis es im Hamburger Hafen ist. Das muss man sich einfach vor Augen halten. Laut Kaffeeverband gehört für 86% der Deutschen Kaffee zum Tag dazu und wer einmal unsere Qualität gewöhnt ist, der ist in der Regel auch bereit, den Preis zu zahlen, denn für die hohe Qualität ist er vergleichsweise günstig.

Marienpark Berlin: Ist die hohe Qualität der eher kleinen Produktion geschuldet oder Ihrer selbstgenannten Penibilität

Alexander Sager: Das sind mehrere Punkte. Wir arbeiten z.B. mit dem Rohkaffeehändler Rehm aus Hamburg zusammen, dessen Unternehmen es schon seit bald 112 Jahren gibt. Hier zählt das große Vertrauensverhältnis zum Rohkaffeehändler und den Plantagen vor Ort. Die Arbeiter werden zudem fair bezahlt. Ein Kilo kostet bei uns zwischen 20 und 25 Euro. Kleinere, jüngere Röstereien verlangen für das Kilo oft 40-50 Euro, weil sie von Mikrolots beziehen und damit exklusivere kleinere Mengen als modischen Trend produzieren. Man spricht hier von der Third-Wave Generation, die eher das hellgeröstete Aroma bevorzugt. Für unsere Kunden zählt eher die klassische Aromanote sowie die Kontinuität in der Qualität und im Preis.

Marienpark Berlin: Welche Produkte erzeugen Sie hier im Marienpark und wie kann man diese erwerben?

Alexander Sager: Wir produzieren alles hier im Marienpark, das sind 12-15 Produkte. Unser Top-Seller ist der Jubiläums-Espresso mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis von 21,99 Euro/kg. Der Vertrieb gliedert sich auf in mehrere Bereiche. Zum einen gibt es den Verkauf im Laden-Café. Dann haben wir den Online-Handel über Amazon und Amazon Fresh sowie unseren eigenen Online-Handel, der sich aber noch im Aufbau befindet. Darüber hinaus beliefern wir einige Edeka-Filialen und größere Büros. Ab März startet der Werksverkauf hier am Standort an jedem dritten Samstag. Dabei möchte ich, je nach Anfrage, auch eine Live-Röstung mitanbieten. Für den privaten Kauf kann man den Kaffee auch mit entsprechendem Mahlgrad bei uns erwerben. Der beste Aromaschutz ist und bleibt aber die ganze Bohne.

Marienpark Berlin: Jedermann hört von Fairtrade- und Bio-Kaffee. Bieten auch Sie derartige Produkte an oder unterstützen solche Projekte?

Alexander Sager: Wir verarbeiten biologisch kontrollierten und Fairtrade-Kaffee, zeichnen diese aber nicht explizit als Solche aus, weil es schwierig ist, diese ständig in gleichbleibender Qualität und der richtigen Größenordnung bekommen zu können. Die langjährige Zusammenarbeit unserer Rohkaffeehändler mit den Plantagen gewährleistet aber die faire Bezahlung der Arbeiter. Zudem hat es sich Herr Arthur E. Darboven zur Aufgabe gemacht, soziale Projekte vor Ort zu finden. Wir unterstützen dies mit unseren Projekt-Kaffees Nicaragua und Mexico. Zum einen betreffend eine Plantage in Nicaragua, die ausschließlich von Frauen geführt wird. Hier werden von der Firma Rehm Jahresmengen verbindlich zu einem hohen Marktpreis abgenommen, damit die Frauen gut und sicher kalkulieren können. Dadurch wird der Wandel zum Ansehen von Frauen gefördert. Zum anderen gibt es ein Projekt in Mexico. Hier ging es darum einen Sozial- und Schulraum für die Kinder der Plantagenarbeiter zu schaffen, damit diese auch während der Erntesaison bei den Eltern fernab der Stadt unterrichtet und betreut werden können.

Marienpark Berlin: Was war ausschlagegebend sich für den Marienpark als Standort zu entscheiden bzw. wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?

Alexander Sager: Nachdem klar war, dass wir die Produktion vom Café abkoppeln müssen, um den Mehrabsatz schaffen zu können, waren wir froh ein so schönes Ambiente, wie hier im Marienpark zu finden. Ich möchte nicht irgendwo arbeiten, wo ich mich nicht wohlfühle. Am meisten gefällt mir die Substanz und das Miteinander mit den anderen Firmen. Der Standort ist in gutem Maße belebt, nicht zu viel und nicht zu wenig, so dass die Arbeit viel konzentrierter stattfinden kann. Dabei kann man sich zu jeder Zeit auf dem Gelände sicher fühlen, auch wenn man bis tief in die Nacht noch verpackt beispielweise.
Ein Architekt aus Weimar hatte mir zunächst ein Lokal in Potsdam vorgeschlagen. Wegen der Abluft war dies dort aber nicht möglich. Auf der Suche nach einer Alternative hat er dann vom Marienpark erfahren. Wir sind sehr froh über den Schritt, die Produktion in den Marienpark ausgelagert zu haben. Im Café haben wir dadurch mehr Platz gewonnen. Mit jetzt 30-40 Plätzen finden zudem Lesungen, Ausstellungen und Band-Auftritte statt. Der Kunde kann uns mehr erleben, sowohl im Café als auch hier im Marienpark beim Show-Rösten.

Marienpark Berlin: Wie sind Ihre Zukunftspläne für die Rösterei?

Alexander Sager: Unser Ziel ist es zukünftig weiterhin bei steigender Nachfrage die Produktion und Qualität sicherzustellen, und ca. alle 2 Jahre eine neue Kaffeesorte hervorzubringen. Seit Mitte Dezember haben wir einen reinsortigen Kaffee aus Kolumbien „Colombia Risaralda“ im Sortiment. Der Name setzt sich in der Regel zusammen aus dem Land und der Region, wo der Kaffee angebaut wird. Bei Espresso beispielweise bedarf es mehrerer charakterstarker Sorten, um ein komplettes Geschmacksbild zu haben. Auch Saison-Kaffees möchten wir ins Auge fassen.

Wir danken Herrn Sager herzlich für das Interview und das in uns gesetzte Vertrauen, den Schritt in den Marienpark gegangen zu sein. Sagers Kaffeerösterei ist für uns menschlich als auch fachlich eine große Bereicherung. Wir freuen uns daher sehr auf die weitere Zusammenarbeit. Mehr Informationen zu Sagers Kaffeerösterei und den Produkten finden Sie unter www.sagers-kaffee.de

Das Marienpark-Team freut sich über weitere Flächenanfragen von Menschen und Unternehmen, die mit Begeisterung eigene Produkte handwerklich herstellen oder Raum für die Umsetzung und Entwicklung von Ideen suchen. 

Foto: © Marienpark Berlin