Das ehemalige Gaswerk Mariendorf

Das Gaswerk Mariendorf war zu seiner Bauzeit das größte und modernste Gaswerk in Berlin. Die Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Gebäude wurden nach Entwürfen der Architekten Schulz & Schlichting sowie Paul Karchow im Stile der norddeutschen Backsteingotik geplant.
 
Von der ursprünglichen Bebauung sind bis heute zahlreiche Gebäude erhalten; darunter zählen der alte Wasserturm, das Apparatehaus, Regler- und Messgebäude sowie der bereits 1892 in Wien und 1901 nach Berlin verbrachte Teleskop-Niederdruck-Gasbehälter.

Geschichte des Gaswerks Mariendorf

Im Jahr 1826 hatte die Imperial Continental Gas Association (ICGA) die Gasbeleuchtung in Berlin etabliert. Zu den Abnehmer gehörten u. a. die südlichen Gemeinden von Berlin, die sich zur Abnahme von Gas dieses Anbieters verpflichteten. Mit dem Wachstum dieser Gemeinden wurde die Notwendigkeit größer, ein eigenes Gaswerk zu errichten.

Die Wahl für den Bau des Gaswerks fiel auf Mariendorf, denn die Gemeinde Mariendorf lag in der Mitte des südlichen Abnehmergebietes. Zudem zeugte Mariendorf von einem weiteren Standortvorteil, der sich durch die Strecke der Berlin-Dresdner Eisenbahn äußerte und die Anlieferung von Kohle enorm erleichterte.

Das Gaswerk Mariendorf wurde in den Jahren 1900 bis 1901 erbaut und in den Folgejahren sukzessive erweitert. Mit dem Anschluss an den neu eröffneten Teltowkanal im Jahre 1906 wurde der Kohletransport weiterhin vereinfacht.

Die Imperial Continental Gas Association versorgte Berlin bis 1918 mit Gas. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das englische Unternehmen, das eigens für die Errichtung von Gaswerken in europäischen Städten gegründet worden war, liquidiert. Zunächst wurde das Gaswerk Mariendorf von der Deutschen Gasgesellschaft und seit 1923 von der Städtische Gaswerke AG (GASAG) übernommen.

Ab den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann die Umstellung der Gasproduktion auf Leichtbenzin und Methanol und die damit einhergehende Notwendigkeit, das Gaswerk Mariendorf umzubauen. Schließlich führte die Umstellung dazu, dass die Gasherstellung aus dem Rohstoff Kohle im Jahr 1980 komplett eingestellt worden ist.

In den neunziger Jahren wurde die Berliner Gasversorgung von Stadtgas auf Erdgas modifiziert. Dadurch wurde das Gaswerk Mariendorf nicht mehr benötigt, welches folglich zur Stilllegung im Jahr 1996 führte.

Chronik

1826

Einführung Gasbeleuchtung in Berlin durch Imperial Continental Gas Association (ICGA)

1899

Erwerb des zukünftigen Gaswerksareal (zwischen Teltowkanal, Berlin-Dresdener Eisenbahn, Lankwitzer Straße und Ringstraße)

1900/01

Errichtung Gaswerk Berlin-Mariendorf und Konzept des Gaswerks vom Direktor Edward Drory

bis 1918

Gasversorgung durch ICGA und Übernahme durch die Deutsche Gasgesellschaft

1923

Verkauf des Gaswerksgelände an die Städtische Gaswerke AG (GASAG)

1960

Umstellung der Gasproduktion auf Leichtbenzin und Methanol erfordert Umbau des Gaswerks

1980

Gaserzeugung auf Kohlebasis eingestellt

1996

Stilllegung des Gaswerks (Grund: Umstellung der Berliner Gasversorgung von Stadtgas auf Erdgas)

1999

Abbau der Anlagen zur Gaserzeugung auf Kohlenwasserstoffbasis und Erhalt der historischen Gebäude

 2013

Verkauf sämtlicher nicht betriebsnotwendiger Flächen an die BMDF Gewerbepark Berlin-Mariendorf GmbH & Co. KG. (Marienpark Berlin)

Quellen:

Bärthel, Hilmar: Die Geschichte der Gasversorgung in Berlin. Eine Chronik, hrsg. von der GASAG Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft, Berlin, 1997.

URL: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/cgi-bin/hidaweb/getdoc.pl?DOK_TPL=lda_doc.tpl&KEY=obj%2009055081 [19.03.2014].